Stimmt. Den Satz habe ich von Harpe Kerkeling geklaut. Sorry. Aber er passt einfach. Seit wir unser Leben teilen, freue ich mich jeden Morgen neu auf die gemeinsame Zeit Wald. Wir haben uns angewöhnt, meist ca. eine Stunde gemeinsam durch den Wald zu „joggen.“ Na ja, eher stramm durch den Wald zu spazieren. Dabei schaut der eine mehr nach oben, sucht den Buntspecht oder sogar den eher seltenen Schwarzspecht, der andere schaut eher nach unten oder sehr angestrengt in den Wald hinein, da er Dinge sieht, die der andere eben nicht sieht. Aber nicht, weil er schlechte Augen hätte, sondern weil seine Nase schwächelt.
Nicht selten sehen wir Rehe. Zwei fast täglich, mal auch fünf und manchmal sogar mehr. Also ich sehe immer mehr. Ich kann sie förmlich riechen. So gerne ich auch mit denen spielen würde, ich darfs nicht. Keine Ahnung warum. Nur Wildschweine haben wir noch nicht entdeckt, obwohl ihre frischen „Schnüffelspuren“ unverkennbar am Rand unserer Spazierwege durch den Wald zu sehen sind. Die sind da irgendwo ganz nah. Aber dann müssten wir wohl noch viel früher aufstehen.
Nicht selten sehen wir Rehe. Zwei fast täglich, mal auch fünf und manchmal sogar mehr. Also ich sehe immer mehr. Ich kann sie förmlich riechen. So gerne ich auch mit denen spielen würde, ich darfs nicht. Keine Ahnung warum. Nur Wildschweine haben wir noch nicht entdeckt, obwohl ihre frischen „Schnüffelspuren“ unverkennbar am Rand unserer Spazierwege durch den Wald zu sehen sind. Die sind da irgendwo ganz nah. Aber dann müssten wir wohl noch viel früher aufstehen.
Es ist herrlich da draußen. Mit jeder Faser nehmen wir die Natur in uns auf, sehen den Sonnenaufgang oder schauen der Sonne dabei zu, wie sich durch dichte Wolken oder Nebel Bahn bricht. Jeder Morgen ist anders schön.
Sind wir mal etwas früher unterwegs und timen es zeitlich gut, kommen wir just in dem Moment auf eine Anhöhe, von der aus man unser Dorf sieht und en kleines Örtchen im benachbarten Ruhrgebiet. Ansonsten sieht man nichts als Feld und Wiesen. Einfach genial!. Dieser Anblick von Weite löst wahnsinnige Gefühle in mir aus – im wahrsten Sinn des Wortes. Ich werde tatsächlich fast wahnsinnig, weil da eben nicht nur Weite ist. Da ist nämlich noch wer. Jemand, der sich in dieser Weite von Feld und Wiese tummelt.
Erst die Tage habe ich da einen von denen aufgespürt und gejagt. Hunderte Meter übers Feld, dann in den Wald. Irgendwer schickte laut schrillende Pfiffe in den Morgen, aber das Ding mit den langen Ohren wollte trotzdem einfach nicht stoppen und sich hinlegen. Das mach ich normalerweise immer, wenn so ein Pfiff ertönt. Gut, vielleicht meistens. Oder manchmal. Aber ich war dankbar, dass mein Zweibeiner mir helfen wollte, den Burschen zum Spielen zu bewegen. Wahnsinn ist übrigens auch, wie schnell Feldhasen sind. 70-80 km/h ist schon eine Hausnummer. Ich wollte hinterher und rannte und rannte, musste nach gut 5-10 Minuten aufgegeben, weil ich Gefahr gelaufen bin, auf meine Zunge zu treten. Gefahr – gelaufen – auf Zunge treten? Was habe ich da gerade gesagt? Na ja, mein Langohrfreund war einfach futsch.
Da ich lief, als gäbe es kein Halten mehr – gab ja auch keins – hätte man meinen können, dass ich die Orientierung verloren habe. Nix da. Zielsicher bin ich ohne Trophäe zurück zu meinem Herrchen, der auf der Anhöhe wartete. Irgendwer hat ihm mal erzählt, er solle jemand wie mir nicht böse sein, weil das ja Triebe seien, die mich trieben und so wahnsinnig rennen ließen. Also hat er mich einigermaßen freundlich an die Leine gelegt, als ich wieder da war und sowas gesagt wie: „Na, da biste ja.“ – Klang aber nicht wirklich ehrlich. Egal. Ich hatte meinen Spaß.
Das war also die Tage… Heute aber sollte mein großer Tag sein. Dieses Mal würde ich einen Langohrkumpel aufspüren und verfolgen, bis er mit mir spielen würde, falls wir zur Anhöhe gingen. Wir taten es. Ich war motiviert bis in die Haarspitzen.
Als ich endlich von der Leine gelassen wurde, schoss ich los. Noch unter den Augen meines Zweibeiners durchstreifte ich die Felder. Dann hatte ich ihn gefunden und jagte ihm auch dieses Mal wie von der Tarantel gestochen. Allerdings gen Süden immer weiter und weiter. Das von meinem Zweibeiner nur noch ein kleiner Punkt übrig war und dann keiner mehr, konnte nur bedeuten: Dieses Mal war ich definitiv zu weit „gegangen“. Pfiffe? Ach, „Pfeif drauf!“ dachte ich. Komm schon. Ich bin ein Jagdhund, aber mit fast 14 (Monaten) zu jung und ungestüm, als dass ich immer gehorchen wollen würde. Ich brauche Bewegung. Kollege Langohr ebenfalls.
Doof war, dass ich gut gefrühstückt hatte und damit Kondition ohne Ende. Ich habe mich wirklich sehr weit entfernt von meinem Zweibeiner. Als ich mich endlich entschloss, zurückzulaufen, war eine halbe Stunde rum.
Am Blick meines Zweibeiners sah ich schon von Weitem, dass er überhaupt nicht glücklich war. Abgesehen davon witterte ich sein Adrenalin, oder wie das heißt. Dieses Mal kein halbwegs geheucheltes: „Na, da bist du ja“. Wortlos wurde ich an die Leine genommen und ich spürte förmlich, dass es ihm lieber gewesen wäre, mich an eine schwere Kette zu legen. Also schlich ich an seiner Seite nach Hause, immer mal zu ihm aufblickend, um ein Lächeln zu erhaschen. Aber es war wohl eher mit einem 24h- Intervall-Lächelfasten zu rechnen.
Zudem war ich saudreckig von der Raserei. So dreckig, dass ich ebenfalls wortlos in die Wanne gesteckt und zehn Minuten geduscht wurde – immerhin war es warmes Wasser. Als die braune Brühe endlich aufhörte, aus meinem Fell zu laufen, war ich dankbar, dass die Zeit des Handuchs gekommen war. Das Ende nahte.
Und nein, ich wurde weder zärtlich geduscht noch abgerubbelt. Mit den romantischen Vorstellungen vom Duschen habe ich es eh nicht. Dann hieß es nur wortkarg „Körbchen!“. Nichts lieber als das. So blieb ich heute – für mich untypisch – überwiegend an meinem Platz- Ich hatte zu bleiben. Da ich mich eh ausruhen musste von den vielen Kilometern auf Hochtouren, dachte ich „Was solls. Morgen greife ich wieder an.“ Oder auch nicht. Wahrscheinlich habe ich den Bogen dann doch etwas überspannt – ich Pubertier.
Gute Nacht.
Eddie
